Imaginationstherapien in der Naturheilpraxis
Einsatz von Katathymem Bilderleben nicht nur bei psychischen Erkrankungen und Störungen.
Erfreulicherweise ist immer öfters zu beobachten, wie sich Erkenntnisse der Psychotherapie auch in anderen Lebensbereichen durchsetzen und ihre Anwendung finden. So ist es heute keine Ausnahme mehr, daß auch körperlich kranke Menschen eine psychotherapeutische Behandlung erfahren, um den Krankheitsprozeß zu stoppen, drohenden Verschlimmerungen vorzubeugen, oder gar zu heilen.
Schwere psychische und somatische Erkrankungen gehören selbstverständlich - primär - in die Hände von besonders geschulten Fachfrauen und -männern. Naturheilkundige Heilpraktiker und Ärzte können keine Psychotherapeuten ersetzen, und wollen dies i.d.R. auch gar nicht. Aber viele psychologische Erkenntnisse und Techniken könnten verstärkt in die allgemeine naturheilkundliche Praxis einfließen, um sie qualitativ noch hochwertiger und effektiver zu gestalten. Und da bieten sich im Bereich der Psychotherapie besonders die Imaginationstherapien an, die wegen ihrer Effektivität und Flexibilität sehr gut handhabbar sind und sich exzellent im naturheilkundlichen Wertegebäude integrieren lassen.
Autogenes Training gehört mittlerweile zu den Regelangeboten der Volkshochschulen und Krankenkassen, und auch die gelenkten Phantasiereisen - die zu den Imaginationstherapien gehört - sind immer öfters anzutreffen, wenn es um natürliche Geburt, Gesundheitsprophylaxe und Rehabilitation geht. Bei den sog. "aus-therapierten" Krankheiten, des Krebses und den chronischen "psychosomatischen Erkrankungen", kommt mittlerweile das "mentale Imaginieren" bzw. Training zu Einsatz, um das Immunsystem zu stärken und/oder neu zu konditionieren. Aber leider meist erst dann, wenn alle anderen schulmedizinischen und naturheilkundlichen Versuche gescheitert sind. Das "mentale (imaginative) Training" ist aber eher den zielorientierten Verfahren der Imaginationstherapien zuzuordnen, zu denen auch NLP gehört. Diese Verfahren oder Techniken sind primär zum Coachen (Trainieren) von Verhalten und zum Verändern von Einstellungs- und Wertesystemen entwickelt worden und sind auch dazu hervorragend geeignet. Um aber ein neues seelisches und körperliches Gleichgewicht zu entwickeln, braucht es andere Veränderungsstrategien als die der Zielorientiertheit. Hypnose erscheint vielen Therapeuten zu suspekt, weil es durch die "Showhypnose" einen sehr schlechten Ruf (zu unrecht) bekommen hat, und dieser nur sehr schwer bei den Patienten abzubauen ist.
Als Ausweg erscheint dann oft
nur noch der Weg der Selbsthypnose, die aber
relativ schwer zu erlernen ist.
In dieser Zwickmühle
stecken oft die engagierten Heilpraktiker, Naturheilärzte,
Psychologen und psychologischen Berater, für die es aber
eine elegante Lösung gibt! Neben den Phantasiereisen, dem
mentalen imaginativen Training, der Hypnose, der Meditation und
dem des NLP, gehört das "Katathyme Bilderleben"
(KB) zu den mächtigsten imaginativen Techniken, um im Rahmen
des Möglichen sinnvolle seelische Veränderungs- und
Reifungsschritte, die sich dann auch im körperlichen Bereich
auswirken können, mit relativ geringem Aufwand einleiten,
halten und unterstützen zu können.
Das Katathyme Bilderleben wurde von dem Psychoanalytiker Hanscarl Leuner entwickelt. Leuner machte in seiner klinischen therapeutischen Praxis die Erfahrung, daß nicht alle Menschen in den Genuß der Psychoanalyse kommen konnten, weil die zeitlichen, finanziellen und intellektuellen Aufwendungen, die für eine gelungene psychoanalytische Therapie unabdingbar sind, nicht immer bereitgestellt werden konnten. Und so entwickelte Leuner, aus der - von Freud - erarbeiteten Technik der Traumdeutung ein Imaginationsverfahren, das er "Katathymes Bilderleben" (KB) nannte. KB wurde anfangs als Ersatz für die Psychoanalyse entwickelt und eingesetzt. Doch bald zeigten sich die Vorteile der neuen Tagtraumtechnik, die in den Bereichen ihre Wirkung zeigte, wo die alte Psychoanalyse versagte. Leuner fand heraus, daß über 80% aller seiner Klienten zu Imaginationen fähig waren, was weit über der Einsatzfähigkeit der Psychoanalyse lag. Anfangs benutzte Leuner die produzierten Bilder und Gefühle im KB dazu, diese zu deuten, und diese Deutung dem Klienten anzubieten. Doch stellte sich schnell heraus, das schon die Wirkung des Erlebens der emotional besetzten Bilder im KB meßbare psychische Veränderungen bewirkte. Das Erleben, bzw. Erfahren der von den Klienten selbst hervorgerufenen "inneren Bilder" und Emotionen und deren Bewältigung genügte für sich alleine schon, um eine anhaltende psychische Veränderung zu bewirken.
Und diese Veränderungen zeigten sich sowohl als verbesserte Grundstimmung, als auch im Verhalten des Betroffenen. Leuner gliederte das Erlernen von Katathymem Bilderleben in Grund-, Mittel- und Oberstufe, und wies jeweils bestimmte Bilder zu. Diese vorgegebenen Bilder wurden anfangs noch eindringlich den Klienten abgefordert, was sich aber später änderte. So werden die Bilder der Grundstufe, also Wiese, Bach, Haus, Berg und Waldrand auch nur noch als Anregung dem Klienten angeboten, die er aber nicht mehr produzieren muß. Vielmehr wird die Autonomie und Persönlichkeit des Klienten und dessen Fähigkeit zur Bewältigung (mit Hilfe des KB-Therapeuten) von konfliktuösen imaginierten Situationen mehr Beachtung geschenkt, als dem Einhalten von vorgegeben Strukturen.
Neben seiner anhaltenden Veränderungskraft auf den Ebenen des Verhaltens, der Wahrnehmung und des Erlebens wirkt KB besonders hervorragend auf der psychosomatischen und psychischen beeinflußbaren Ebene des Menschen, was unter klinischen, wissenschaftlichen Bedingungen nachhaltig bewiesen wurde. Das Buch "Das Katathyme Bilderleben in der Psychosomatischen Medizin" von Eberhard Wilke & Hanscarl Leuner, das im Verlag Hans Huber erschienen ist, zeugt von der Wirkkraft des KB auch in den körperlichen Bereichen der menschlichen Existenz.
Diese Wirkungen, für sich alleine genommen, machen das Katathyme Bilderleben zu einem mächtigen Werkzeug, welches auch Ergebnissen, die durch den Einsatz von Hypnose gewonnen wurden, um nichts nachsteht. Besonders die Wirkung von KB im psychosomatisch und psychisch beeinflußbaren Bereich des Menschen machen es nicht nur interessant für den Einsatz bei Schwangeren, sondern auch bei somatischen Erkrankungen, wo eine psychische Komponente vorhanden ist. Und diese ist i.d.R. bei allen chronischen Erkrankungen existent.
Wenn Hanscarl Leuner nicht ein solch schweres Hindernis aufgebaut hätte, um "Nichtprofessionelle" von KB abzuhalten, so hätte es sicherlich schon längst seinen Einzug in die Schwangerschaftsbetreuung und in die naturheilkundlichen Behandlungen gefunden. Leuner machte zum Erlernen von KB zur Bedingung, daß der Lernende eine psychoanalytische Ausbildung genossen hatte. Nur so sah er die Sicherheit derjenigen gewährleistet, die sich der Tagtraumtechnik unterzogen. Nur Psychoanalytiker hatten nach Leuners Auffassung die Qualifikationen, um sich in der unbewußten Bilder- und Gefühlswelt (den Archetypen) ihrer Klienten zu orientieren, und diese bei ihrer inneren Arbeit zu unterstützen.
Aber die Psychotherapie hat seit Leuner gewaltige Fortschritte gemacht, und diese insbesondere bei den Imaginationstechniken, wie z.B. die des NLP. Der Einsatz von sog. Sicherheitstechniken des "Ankerns" und der Einpackstrategie des NLP machen KB in seiner Handhabbarkeit - auch für den Patienten - so sicher, daß es auch Menschen ohne vorgegebene psychologische oder psychoanalytische Schulbildung anwenden können. Zudem sind in der Zwischenzeit Imaginationstechniken entwickelt worden, die auch Menschen, die keine "inneren Bilder" haben, den Zugang zu KB ermöglichen. (Dadurch ist vom Prinzip her JEDE/R fähig, KB zu erleben!)
In der praktischen Arbeit hat sich das Katathyme Bilderleben bei der Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen als hervorragendes und praktikables Mittel herausgestellt, das allen Anforderungen gerecht wird. So können nur wenige Sitzungen bei psychosomatisch Erkrankten den Krankheitsprozeß abbremsen, stoppen oder gar zu Genesung führen. KB ist gut lernbar, weil es greifbare Bilder und Strukturen schon am Anfang der Ausbildung vermittelt, mit denen dann - unter den Schutz der "Sicherheitsstrategien" - experimentiert werden kann, was sich dann als erfahrbares Wissen einprägt und dadurch die Angstschwelle der Therapeuten gesenkt werden kann. Gut ausgereifte und praktikable Techniken sind vorhanden und es liegt nun an den Heilpraktikern und den anderen Naturheilkundlern selbst, sich dieses Wissen anzueignen und - zu ihrem Nutzen und dem der Patienten - einzusetzen.
Peter Paul
Markfort
Weitere wichtige Bücher die H. Leuner
geschrieben hat, sind unter folgenden Titeln im Huber Verlag
erschienen: "Lehrbuch der Katathym-imaginativen
Psychotherapie" sowie "Psychotherapie mit dem
Tagtraum".
