Typspezifische Persönlichkeitsentwicklungen
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TEIL 2 Wenn man sich selbst zu einer Gruppe zugehörig weiß, mit der Gemeinsamkeiten bestehen, kann man von den Erfahrungen der anderen lernen. Wer eine Ausbildung zusammen mit weiter fortgeschrittenen Teilnehmern genossen hat, weiß, was ich meine. Die Wege sind sozusagen bereits ausgetreten und an den gefährlichen Stellen sind Warnschilder aufgestellt - wie bei einem oft begangenen Bergpfad. |
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Die Möglichkeit, vom "Gruppenwissen" der verschiedenen Persönlichkeitstypen zu lernen oder sich davon fernzuhalten, ist eine der Stärken der Psychographie. Was nämlich für einen Beziehungstyp von großem Nutzen sein kann, z.B. intensives Nachdenken über seine Vergangenheit, wird dem Sachtypen eher schaden (weil er es sowieso zu viel macht). Paracelsus hat einmal formuliert: "Alle Dinge sind Gift und kein Ding ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist." Erst das Wissen um die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen aber gibt uns Hinweise darauf, was für jede Gruppe eher "giftig" und was heilend bzw. ausgleichend ist. Natürlich kann es jeder auch für sich selbst durch Lebenserfahrung herausfinden. Leider ist es meist so, daß wir auch aus mehrmaligen Fehlversuchen nicht die passenden Schlüsse ziehen. Häufig machen wir mehr von dem, was uns bereits früher geschadet hat, ohne uns dessen bewusst zu sein, so verinnerlicht sind die typischen Muster. (Wenn etwas nicht funktioniert, mach etwas anderes!) Der Entwicklungsprozess der Persönlichkeit gelingt nach Friedmann immer nach demselben Muster, aber je nach Typ mit unterschiedlichem Ausgangspunkt: (Steve de Shazer) Die Spezialisierungen im "Persönlichkeitsbereich" werden angenommen, aber die Aufmerksamkeit verstärkt den vergessenen Qualitäten des "Entwicklungsbereichs" zugewandt (vgl. S. 8 u. 29). Damit profitiert automatisch auch der letzte Bereich, der "Zielbereich". Persönlichkeiten, die in allen drei Bereichen gleichermaßen entwickelt sind, werden auch von anderen als ausgeglichen oder "rund" erlebt. |
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DIE ENTWICKLUNG DES BEZIEHUNGSTYPS Der Beziehungstyp tut gut, wenn er sich mehr seiner eigenen Person zuwendet und so seine Individualität und Einzigartigkeit stärkt. Oder wenn er ausdauernder und geduldiger wird, seinem Erkennen traut und sich darin übt, ausführlich und genauer über eine Sache nachzudenken (Goethe). Dafür muss er zwar etwas von seinem überschäumenden Gefühl zurücknehmen, aber seine neue Sachlichkeit ist ein entscheidender Fortschritt. Der Beziehungstyp entwickelt sich auch dadurch, daß er seine Vergangenheit ernster nimmt. Dort, in den vergangenen Erfahrungen, liegen seine ungenutzten Ressourcen und Erfahrungswerte, auf die er immer wieder zurückgreifen kann. Aus früheren Erfolgen und Enttäuschungen kann er lernen, sich z.B. besser vorzubereiten und sich umfassend zu informieren, bevor er eine Sache beginnt. Dabei wird vielleicht die Euphorie für ein Vorhaben etwas gebremst, aber letztlich ist das realistische Ziel eher zu erreichen. |
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DIE ENTWICKLUNG DES SACHTYPS Die vernachlässigten Qualitäten des Sachtyps sind die Zukunft, der WIR-Bezug und das Handeln. Dafür übertreibt er die Vergangenheit, seine ICH-Stärke und das Denken. Es fällt ihm nicht leicht, etwas vorauszuplanen und sich festzulegen. Vielleicht kommt ihm ja etwas dazwischen? Tut er es doch – entschließt er sich z.B., regelmäßig an einer sportlichen Aktivität zusammen mit anderen teilzunehmen, wird er alles versuchen, dabeizusein und keinen Termin zu verpassen. Genau- so überraschen wird ihn der Erfolg, wenn er seine Zweifel beiseite schiebt und sich zu Aktivitäten aufrafft, die seine berufliche oder persönliche Zukunft verbessern könnten. Der Erfolg einer Bewerbung, das Interesse an seiner Person und seinen Fähigkeiten sind für ihn unerwartet und rühren sein Herz mehr, als dies bei den anderen Typen der Fall ist. Der sich entwickelnde Sachtyp kann es kaum glauben, daß andere ähnliche Gedanken haben wie er und sie Interesse zeigen, etwas gemeinsam mit ihm in Angriff zu nehmen. Findet er die passenden Mitstreiter, steht seinem Erfolg kaum etwas im Weg. Er kann dann sehr viel Fürsorge entwickeln, eine Ausdauer und Perfektion an den Tag legen, die seine Umgebung überrascht. Von seinen zwei linken Händen ist nichts mehr zu sehen, hartnäckig probiert und optimiert er seine Aktivitäten. Jetzt gewinnt er treue Freunde, lernt öfters "nein" zu sagen und seine Sicherheit wächst. Endlich erntet er auch den Erfolg seiner Anstrengungen und womöglich werden andere ihn bitten, sein Wissen und seine Erfahrungen mit ihnen zu teilen. Denn wenn er erst einmal überzeugt ist, auf dem richtigen Weg zu sein, hält ihn fast nichts davon ab, ihn auch konsequent zu gehen. Er darf nur nicht seine existenziellen körperlichen Bedürfnisse und seine sozialen Bezüge außer acht lassen. Sonst bleibt er am Ende allein und fühlt sich ignoriert und übergangen trotz aller Erfolge. Seine schildkrötengleiche Bedächtigkeit und potentielle Langlebigkeit lassen diesem liebenswerten Spätzünder für das Erreichen seiner Ziele meist auch reichlich Lebenszeit. |
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DIE ENTWICKLUNG DES HANDLUNGSTYPS Der Handlungstyp macht sich oft erst spät Gedanken über seine persönliche Entwicklung. Seine Schwächen hält er mehr für Mangel an Perfektion denn für Anlass zur Veränderung. Erst wenn er mit seiner Power und seinem Einsatz nicht zum Ziel kommt, wenn ihm die Harmonie verlorengeht oder wenn Krankheiten ihn bremsen, wächst sein Wunsch nach Einlassenkönnen, nach tiefen Gefühlen, nach mehr Bequemlichkeiten und nach einem verständnisvollen Gegenüber. Dann rückt seine Arbeit, der Verein, die Familie oder die Politik etwas in den Hintergrund. Er genießt dann endlich die langjährigen Freundschaften oder geht nur mit seinem Partner in den immer wieder verschobenen Traumurlaub. Indem er sich also auf die Gegenwart, auf das Du und auf das Fühlen einlässt, gewinnen seine Stärken unübersehbar. Er entwickelt Milde und Nachsicht, kann auch einmal ohne schlechtes Gewissen einen Tag lang faulenzen, die Geschäfte ruhen lassen und sich nicht für unersetzlich halten. Immer öfter kommt er wieder dazu, einen gefühlvollen Film zu Ende zu sehen, die Urlaubsfotos der letzten Jahre einzukleben oder einfach mit der Katze auf dem Balkon zu sitzen oder lange Gespräche mit seinen Eltern zu führen. Vielleicht gönnt er sich etwas, wovon er schon ein Leben lang geträumt hat, beschäftigt sich ausgiebig mit den Enkelkindern, lernt sein Lieblingsinstrument spielen oder setzt neue Pflanzen in seinem Garten. Er verkauft die Firma oder sein Haus, wendet sich neuen Fragestellungen zu und entwickelt eigenwillige Hobbys, obwohl die Rente weit ist. Wenn sich der Handlungstyp entwickelt, ist er kaum wiederzuerkennen, was ihm in seinem Umfeld anfangs Unverständnis einbringen kann. Anstelle eines sicheren Bausparvertrags genießt er den kreativen Workshop, für den er sich endlich erlaubt, die angesammelten Mehrstunden abzufeiern. Und anstatt sich mit unliebsamen Verwandten herumzuärgern, mässigt er sein Pflichtbewusstsein und verbringt seine knappe Freizeit lieber mit Tieren und Pflanzen. Seine Wertschätzung durch andere geht dann über seine Nützlichkeit und Zuverlässigkeit hinaus. Neben seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Ordnungsliebe schätzt man nun auch, daß er sich einfühlen und Frieden stiften kann. Wenn er seine praktischen und fürsorglichen Seiten zusätzlich mit Phantasie und Intuition würzt und bei der Fülle seiner Aktivitäten das Wohl des Einzelnen nicht vergisst – dann wird der ausgeglichene Handlungstyp mehr und mehr zu einer wirklich geachteten und beliebten Persönlichkeit. |
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PRAKTISCHE ANWENDUNGEN DER PSYCHOGRAPHIE TYPGERECHTE PROZESSUNTERSTÜTZUNG / DIE FÖRDERUNG DES ENTWICKLUNGSBEREICHS |
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DAS EINSTIMMEN AUF ANDERE MENSCHEN PSYCHOGRAPHISCHE ANALYSE VON FAMILIEN-, PAAR- ODER TEAMKONSTELLATIONEN Wenn Sie in einer Partnerschaft leben, ist es wahrscheinlich, daß Ihr Partner oder Ihre Partnerin nicht den gleichen Persönlichkeitstyp verkörpert wie Sie selbst. Dann gilt eine einfache Faustregel: Die unbesetzte "Ecke" ist der besonders förderungswürdige Entwicklungsbereich ihrer gemeinsamen Beziehung. Angenommen, ein Sachtyp und ein Handlungstyp sind zusammen, werden die Stärken des Beziehungstyps zum unbesetzten Feld. Dort werden sich beide wohlfühlen und lockerer sein, wobei der Handlungstyp etwas im Vorteil ist, weil es sich auch um den für ihn so reizvollen Entwicklungsbereich seines Persönlichkeitstyps handelt. Auch in dieser Hinsicht machen Sie die größten Fortschritte, wenn Sie sich von weiter in der Psychographie geübten und erfahrenen Personen Anregungen holen. Ein Berater oder eine Beraterin, die sich auf die Psychographie versteht, wird Ihnen sicher kompetente Hinweise geben können. |
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