Körperübung Augen- und Sehtraining

Marianne Wiendl und Uschi Ostermeier-Sitkowski sind bekannte Sehtrainerinnen. In ihrem Buch “Systemische Augentherapie” (Foitzick Verlag) stellen sie ganzheitliche Sehübungen vor und verbinden diese mit der Aufstellungsarbeit. So kann den seelischen Konflikten, die am klaren Sehen hindern, auf die Spur gekommen werden. Wir haben hier an dieser Stelle einige Übungen, die das Auge trainieren, für Sie ausgewählt.

Posaunen

Mit der Posaunen-Übung wird die Flexibilität der Linse und des Ziliarmuskels gefördert.Mit der folgenden Übung können Sie die Akkommodation schulen. Besonders wird dabei die Flexibilität der Linse angeregt und der Ziliarmuskel trainiert. Wer Probleme mit dem Lesen hat sollte diese Übung mehrmals täglich durchführen. Decken Sie das linke Auge mit der hohlen Hand ab. Lassen Sie dabei das Auge geöffnet. Halten Sie die rechte Hand locker ausgestreckt vor Ihrer Nase. Schauen Sie mit dem rechten Auge auf eine bestimmte Stelle auf Ihrer Hand, z. B. eine Handlinie oder einen Ring. Bewegen Sie dann die rechte Hand wie ein Posaunespieler in schnellem Wechsel hin und her. Halten Sie dabei eine schräge Bewegungsrichtung bei – von Ihrer Hand vor der Nase in einer gedachten Linie zur Körpermitte bis zum Auge. Sie werden feststellen, dass Sie nicht immer scharf sehen können. So schnell wie Sie Ihre Hand bewegen, kann das Auge auf dieser kurzen Entfernung nicht scharf stellen. Versuchen Sie nicht, scharf zu stellen. Führen Sie die Bewegung ganz locker und entspannt aus, ohne darüber nachzudenken. Wenn Sie die Hand wieder wegnehmen, achten Sie darauf, wie sich beide Augen anfühlen. Ist das Gefühl unterschiedlich? Gibt es auch einen Unterschied beim Sehen? Wechseln Sie dann die Hände, decken Sie das rechte Auge mit der rechten Hand ab und posaunen Sie mit der linken Hand. Achten Sie danach wieder auf das unterschiedliche Gefühl in beiden Augen. Anstelle der Hand können Sie auch eine Postkarte, eine Karte mit einem Aufkleber oder ein buntes Bild verwenden. Wenn Sie wenig Zeit haben, können Sie beide Augen geöffnet lassen und einfach mit einer Hand posaunen und dabei auf Ihre Armbanduhr oder eine andere Stelle schauen. Bauen Sie mehrmals täglich solche kleinen Übungspausen ein.

Nachbilder

Das Phänomen von Nachbildern beruht auf dem Polaritätsprinzip der menschlichen Sehfähigkeit. Nur durch den Wechsel von Hell und Dunkel, also durch Kontraste, ist Sehen überhaupt möglich. Durch intensives Betrachten von dunklen Formen auf einer weißen Unterlage oder farbigen Flächen wird die Entstehung von Nachbildern an geregt. Das Erzeugen von Nachbildern stärkt den Teil des Sehens, der spektrale Lichtenergie in Sehkraft umwandelt und an das Sehzentrum im Gehirn weiterleitet. Das heißt, dass die Sehzellen auf der Netzhaut angeregt werden. Die Intensität des Sehens wird allgemein gesteigert und der Sehvorgang wird mit neuer Energie versorgt. Die Konzentration auf eine bestimmte Farbe hat zudem eine beruhigende und meditative Wirkung.

Schwarz-weiße Nachbilder 2009-02-Koerperuebung2
Lassen Sie die Punkte leuchten

Setzen Sie sich bequem und aufrecht hin, so dass die Atmung frei fließen kann. Schauen Sie mit weichem Blick ca. 30 Sekunden auf den mittleren schwarzen Punkt. Nach einer Weile werden Sie einen leuchtenden „Hof“ um den Punkt wahrnehmen. Allmählich sehen Sie vielleicht auch einen „Hof“ um die anderen schwarzen Punkte. Jetzt entwickelt sich das Nachbild. Durch Übungen mit Nachbildern werden die Sehzellen auf der Netzhaut angeregt. Richten Sie dann den Blick auf eine weiße Fläche, z. B. eine kahle weiße Wand oder ein weißes Stück Papier. Atmen Sie tief und machen Sie den Blick ganz weich. Jetzt sollte sich das Nachbild herausbilden: Leuchtend weiße Punkte, die noch heller als das Papier oder die Wand erscheinen.

Bringen Sie die Glühbirne zum LeuchtenBringen Sie die Glühbirne zum Leuchten und regen Sie damit Ihre Sehzellen auf der Netzhaut an.

Schauen Sie auch hier mit weichem Blick ca. 30 Sekunden auf die weißen Drähte in der Mitte der Glühbirne. Danach richten Sie Ihren Blick wieder ganz weich auf eine große weiße Fläche. Jetzt sollten Sie die Umrisse und die Glühbirne selbst etwas heller als die weiße Fläche leuchten sehen. Falls sich der Effekt nicht gleich einstellt, betrachten Sie etwas länger als 30 Sekunden die Drähte. Atmen Sie tief und versuchen Sie, den Blick ganz weich zu machen und etwas durch das Bild hindurchzuschauen.

Buchtipp:
Marianne Wiendl, Uschi Ostermeier-Sitkowski, Systemische Augentherapie, besser Sehen durch Augenaufstellungen und ganzheitliche Sehübungen, Foitzick Verlag, Augsburg, 2006.