Natürliches Antibiotikum Spitzwegerich

Veröffentlicht in Heftarchiv - Heft 03/1996

Tancred Wegener

Schon 1985 wurden für den Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und die Zubereitungen aus dem frischen Kraut seitens der Kommission E des damaligen BOA Anwendungsgebiete wie „Katarrhe der Luftwege" sowie „Entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut" bei innerer Anwendung anerkannt. In pharmakologischen Untersuchungen sind für die Extrakte des Spitzwegerichkrautes - bzw. für daraus isolierte Inhaltsstoffe wie z.B. Aucubin - reizmildernde, adstringierende und antibakterielle Wirkungen beschrieben worden.

Spitzwegerich verfügt offensichtlich über mucosaassoziierte Wirkungen auf den Hustenreflex, indem er die unspezifische endobronchiale Entzündung nachhaltig beeinfluBt. Wie schon R.F. Weiss in seinem „Lehrbuch der Phytotherapie" schreibt, enthält Spitzwegerich auch antibiotische Substanzen, die einen Gutteil der heilenden Wirkung ausmachen. Spitzwegerich ist also mehr als nur ein Husten-Blocker!

Hauptanwendungsgebiet ist die akute unspezifische respiratorische Erkrankung. In der Darreichungsform Sirup enthält das Phytopharmakon BRONCHO-SERN® (Sertürner Arzneimittel GmbH, Gütersloh) als Wirkstoff Spitzwegerichkraut-Fluidextrakt. Es entspricht als Mono-Präparat den Anforderungen an ein modernes pflanzliches Arzneimittel. Die ärztlich empfohlene Dosierung entspricht ca. 3 Eßlöffel pro Tag, entspr. 6g Droge.

Um aktuelle Daten für diese Arzneidroge hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit zu erhalten, wurde - unter den Bedingungen der indikationsgerechten ambulanten Routinebehandlung - kürzlich erst die antitussive Wirksamkeit und die Verträglichkeit von BRONCHO-SERN® neu untersucht.

Die Therapiebewertung erfolgte mittels skalierter Symptom- und Befundevaluierung sowie globaler Beurteilung der therapeutischen Ergebnisse nach einer Therapiedauer von 3 - 14 Tagen.

ERGEBNISSE einer offenen Feldstudie

Beim Stand von 328 erfaßten Patienten mit unspezifisch-respiratorischen Erkrankungen wurde eine erste Zwischenauswertung vorgenommen, die auf dem 8. Phytotherapie-Kongreß in Berlin Ende 1995 den Fachkreisen vorgestellt worden ist.

In der Patientenstichprobe (mittleres Alter 41 Jahre, davon 45% männlich, 55% weiblich) dominierten akute respiratorische Infekte (35%), akute Bronchitiden (30%), sowie Heizhusten nach akuten respiratorischen Infekten (20%). Im Mittelwert bestand die Hustensymptomatik 10,4 Tage vor Aufnahme in die Therapiestudie.

Diagnoseunabhängig bildete sich die Symptomatik nach der 3-14-tägigen Therapie (mittlere Applikationsdauer 9,4 Tage) deutlich zurück, und zwar - gemessen an der Symptomausprägung bei Eintritt in die Studie - um durchschnittlich 81 %. Der Vergleich ergab folgende klinisch-relevanten Rückbildungsraten:

Das subjektive Befinden sowie der therapeutisch beurteilte Allgemeinzustand verbesserten sich um durchschnittlich 35%. Der angestrebte volle therapeutische Erfolg trat nicht prompt, jedoch -wie bei vielen Phytopharmaka üblich - nach relativ kurzzeitiger Anwendung ein. Bei etwa 2/3 der Patienten wurde der Wirkungseintritt bereits innerhalb von 3 Tagen registriert.

Einem Patientenanteil von 83% mit ausgezeichneter oder guter Beurteilung der Wirksamkeit standen 17% mit durchschnittlicher oder unterdurchschnittlicher Wirksamkeit gegenüber.

Der Vergleich der Wirksamkeit zu vorher angewandten Pharmaka ließ im Ergebnis eine Überlegenheit des geprüften Präparats vermuten, wenngleich anzumerken ist, daß hier die subjektive Beurteilung des Patienten und nicht die Ergebnisse eines objektiven Vergleichs widergespiegelt wurden.

Es gaben 92% der Patienten an, daß die Zielmedikation im Vergleich zu vorher angewandten Pharmaka erheblich besser oder eher besser oder gleich gut geholfen habe. Lediglich bei 7% wurde die aktuelleTherapie als eher schlechter, und nur von 1 % der Patienten als erheblich schlechter eingeschätzt.

Die Verträglichkeitsbewertung der Medikation wurde patientenseitig von 49% mit „ausgezeichnet", von 48% mit „gut" und von 3% mit mäßig beurteilt. Bei einer Patientin wurde eine milde unerwünschte Arzneimittelwirkung (Durstgefühl) registriert, darüber hinaus wurden keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen beobachtet.

Allergische Nebenwirkungen wurden nicht registriert, obwohl bei 19% der Fälle anamnestische Hinweise auf atopische Erkrankungen der respiratorischen Schleimhäute vorlagen.

ZUSAMMENFASSUNG und DISKUSSION

Husten und Erkältungskrankheit

„Husten" ist ein Symptom nicht nur der typischen Bronchitis, er tritt auch bei folgenden Erkrankungen auf und erfordert z.T. unmittelbare weitere Diagnostik:

HUSTEN

1. ohne Auswurf

  • Tic-Husten bei Psychopathen
  • Larynxprozesse (Kehlkopf-Ca)
  • Grippe
  • Bronchus-Karzinom
  • Larynx-Krisen beim Tabiker
  • Pleuritis
  • reflektorischer Reizhusten bei
  • Erkrankungen von Pleura, Magen, Leber, Milz und Ösophagus,
  • Hiluslymphknoten-Tbc
  • Keuchhusten
  • überempfindliches Bronchialsystem
  • Fremdkörperaspiration

2. mit Auswurf

  • Bronchitis, u.a. nach Virusinfekten
  • Chronisch obstruktive Bronchitis
  • Herzinsuffizienz

3. mit eitrigem Auswurf

  • Bakterielle Bronchitis
  • Bronchiektasen
  • (Chronisch obstruktive
  • Bronchitis, Asthma bronchiale)
  • Lungenabszeß

4. mit blutigem Auswurf

  • Bronchial-Karzinom
  • Tbc
  • Lungenembolie
  • Bronchiolitis nach Grippe
  • Goodpasture-Syndrom

Die Prüfmedikation zeigt eine ausgeprägte antitussive Wirksamkeit. BRONCHOSERN® stellt also aufgrund seiner Wirksamkeit, selbstverständlich unter Berücksichtigung des für Phytopharmaka charakteristischen verzögerten Wirkungseintritts, eine probate Alternative zu herkömmlichen Husten-Blockern dar. Die für Spitzwegerich postulierte antiinflammato,ische Wirkung spiegelt sich in der durchgeführten Studie in der sehr guten Beeinflussung des üblicherweise therapieresistenten Reizhustens wider, der als typisch für eine bronchiale Hyperreaktivität mit assoziierter endobronchialer Entzündung gilt. Vor allem an der Genese des Reizhustens sind unspezifische inflammatorische Mechanismen maßgeblich beteiligt. Hustenblocker allein sind nicht in der Lage, dies zu beeinflussen, da sie in der Regel nicht über antiinflammatorische Wirkungen verfügen.

Das Wirk-Spektrum von Spitzwegerichsaft läßt darauf schließen, daß es sich nicht auf eine alleinige antitussive Wirkung in engeren Sinne beschränkt, sondern im Unterschied zu reinen Hustenblockern auf mehrere Pathomechanismen des Hustens gerichtet ist. Es ist eine ganzheitliche, komplexe Wirkung an den respiratorischen Schleimhäuten und der glatten Bronchialmuskulatur zu vermuten, die offenkundig auch die antibiotischen Eigenschaften dieser Heilplanze mit einschließt. Einem Patientenanteil von 83% mit ausgezeichneter oder guter Beurteilung der Wirksamkeit standen 17% mit durchschnittlicher oder unterdurchschnittlicher Wirksamkeit gegenüber.

Der Vergleich der Wirksamkeit zu vorher angewandten Pharmaka ließ im Ergebnis eine Überlegenheit des geprüften Präparats vermuten, wenngleich anzumerken ist, daß hier die subjektive Beurteilung des Patienten und nicht die Ergebnisse eines objektiven Vergleichs widergespiegelt wurden. Es gaben 92% der Patienten an, daß die Zielmedikation im Vergleich zu vorher angewandten Pharmaka erheblich besser oder eher besser oder gleich gut geholfen habe. Lediglich bei 7% wurde die aktuelleTherapie als eher schlechter, und nur von 1 % der Patienten als erheblich schlechter eingeschätzt.

Die Verträglichkeitsbewertung der Medikation wurde patientenseitig von 49% mit „ausgezeichnet", von 48% mit „gut" und von 3% mit mäßig beurteilt. Bei einer Patientin wurde eine milde unerwünschte Arzneimittelwirkung (Durstgefühl) registriert, darüber hinaus wurden keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen beobachtet. Allergische Nebenwirkungen wurden nicht registriert, obwohl bei 19% der Fälle anamnestische Hinweise auf atopische Erkrankungen der respiratorischen Schleimhäute vorlagen.

ZUSAMMENFASSUNG und DISKUSSION

Die Prüfmedikation zeigt eine ausgeprägte antitussive Wirksamkeit. BRONCHOSERN® stellt also aufgrund seiner Wirksamkeit, selbstverständlich unter Berücksichtigung des für Phytopharmaka charakteristischen verzögerten Wirkungseintritts, eine probate Alternative zu herkömmlichen Husten-Blockern dar. Die für Spitzwegerich postulierte antiinflammato,ische Wirkung spiegelt sich in der durchgeführten Studie in der sehr guten Beeinflussung des üblicherweise therapieresistenten Reizhustens wider, der als typisch für eine bronchiale Hyperreaktivität mit assoziierter endobronchialer Entzündung gilt. Vor allem an der Genese des Reizhustens sind unspezifische inflammatorische Mechanismen maßgeblich beteiligt. Hustenblocker allein sind nicht in der Lage, dies zu beeinflussen, da sie in der Regel nicht über antiinflammatorische Wirkungen verfügen.

Das Wirk-Spektrum von Spitzwegerichsaft läßt darauf schließen, daß es sich nicht auf eine alleinige antitussive Wirkung in engeren Sinne beschränkt, sondern im Unterschied zu reinen Hustenblockern auf mehrere Pathomechanismen des Hustens gerichtet ist. Es ist eine ganzheitliche, komplexe Wirkung an den respiratorischen Schleimhäuten und der glatten Bronchialmuskulatur zu vermuten, die offenkundig auch die antibiotischen Eigenschaften dieser Heilplanze mit einschließt.