Antibabypille und Hormontherapie – Nur ein Krebsrisiko?

Heilpraktikerin Anne Lohmann beschäftigt sich mit den Wirkungen und Langzeitfolgen der Antibabypille.

Foto: © CARTAGENA - Fotolia.comDie Herrschaft über Stimmung und Befinden des Menschen obliegt den „endokrinen Drüsen“, unseren hormonproduzierenden Organen – so wird allgemein angenommen.

Doch sind es wirklich die Hormone selbst, die „verrückt“ spielen – wie so viele Frauen entschuldigend sagen, wenn sie über ihre PMS oder ihre Wechseljahresbeschwerden sprechen? Führen die Hormone wirklich ein Eigenleben, dem wir hilflos ausgeliefert sind, oder ist etwas anderes „verrückt bzw. verrutscht“ – nämlich unsere bewusste Verbindung zu unserer geistigen Mitte?

Mit großer Leichtfertigkeit erlauben wir eine Einflussnahme auf unser hochsensibles Hormonsystem, dessen Botenstoffe sich physiologisch in der Größenordnung einer homöopathischen D12-Potenzierung in unserer Körperflüssigkeit bewegen. Wagen wir einen Blick auf die möglichen Folgen für das Leben und die Entwicklung der vielen Millionen Frauen, die ihre hormonelle Eigenregulation gegen eine hormonelle Standardisierung (Antibabypille) eintauschen:

Ein Blick in die Statistik

85% aller deutschen Frauen unter dem 30. Lebensjahr verhüten. Bei den 30–44-jährigen sind es immerhin noch 73%. Auf Platz 1 liegt mit 55% Anwenderinnen die Antibabypille. Es folgen das Kondom (36%) und die Spirale (12%). 4% der Frauen lassen sich sterilisieren. In der Gruppe der unter 20-jährigen nehmen 75% aller Mädchen die Pille, oft schon vor dem 16. Lebensjahr und bevor sich ein eigenständiger stabiler Zyklus entwickelt hat, doch ihre Nebenwirkungen und Krebsrisiken scheinen sie zu ignorieren oder gar nicht zu kennen.

Besonders fahrlässig ist, dass vielen Mädchen die Pille nicht zu Verhütungszwecken verordnet wird, sondern um schwere Pubertätsakne, starke Zyklustempoanomalien oder Regelschmerzen schulmedizinisch zu therapieren. „Nach mir die Sintflut“ – Was kümmert es eine 17-jährige, ob sie mit 40 ein höheres Krebsrisiko haben wird?

Risiken

Die körperlichen Schattenseiten dieser globalen synthetischen Östrogenflut sind inzwischen gut erforscht. Während der Einnahme der Antibabypille kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Foto: © laurent hamels - Fotolia.comKopfschmerzen
  • Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Avitalität
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit bis hin zur Depressionen
  • Schlafstörungen mit all ihren Folgeerkrankungen
  • Zwischenblutungen / Ausfluss / Candidose
  • Gewichtszunahme
  • Übelkeit
  • Spannung in den Brüsten
  • Ausbleiben der Regel
  • Verminderung bis Verschwinden der Libido
  • Cellulitis
  • Bluthochdruck
  • gesteigertes Thromboserisiko
  • Leberbelastung
  • Änderung des Geruchsempfindens

Natürlich hofft jede Anwenderin, dass gerade sie davon nicht betroffen ist, und oft geht es ja auch „lange gut“. Wer denkt dann noch, wenn sich über die Jahre das Bindegewebe verändert und die Cellulitis einschleicht, das Gewicht steigt und die Diäten langsam nicht mehr greifen, an die Pille? Ist es nicht das Alter? Wer denkt, wenn die Beziehung nervt und keine Lust mehr auf Sex besteht, an die Pille? Ist es nicht die Schuld des Partners? Und welche junge Frau realisiert, dass ihr olfaktorisches Organ sie unter Einflussnahme der Pille vielleicht zu einer anderen Partnerwahl führen wird als ohne dieselbe?

Wie entfaltet sich die Biografie, wenn eine Frau auf der Ebene ihrer feinsten biologischen Steuerungsmechanismen fremdbestimmt ist? Und wie verändert sich unter diesem Einfluss kollektiv eine Kultur? Vielleicht befinden wir uns gerade im größten medizinischen Langzeitexperiment der Menschheit. Wie soll sich z.B. die natürliche Lust der Frau auf Nachwuchs zur rechten Zeit entwickeln, wenn sie – biologisch gesehen – durch die Pille die ganze Zeit schon „schwanger ist“? Die Gesellschaft klagt lauthals über Kinderlosigkeit, doch warum die einzelne Frau keinen so starken Kinderwunsch mehr entwickelt wie früher, wird nicht richtig hinterfragt.

Die häufigsten Nachwirkungen nach Absetzen der Antibabypille sind:

  • Foto: © Sven Bähren - Fotolia.comZyklusstörungen
  • sekundäre Amenorrhoe von mehr als sechs Monaten
  • unerfüllter Kinderwunsch: 10% der Frauen mit Kinderwunsch sind auch ein Jahr nach dem Absetzen der Pille noch nicht schwanger und erleben sich in ihrem Zyklusgeschehen als dauerhaft beeinträchtigt
  • verfrühtes oder erschwertes Klimakterium
  • erhöhtes Krebsrisiko: Wird die Pille 5–10 Jahre lang eingenommen, steigt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs auf das Eineinhalbfache, bei 10 Jahre und länger auf das Doppelte.

Beobachtungen aus der Praxis

Dem Aspekt der Belastung eines Großteils der Patientinnen, die unter Einfluss chemischsynthetischer Hormone stehen, wird in der Arzt- und leider immer noch in vielen Heilpraktikerpraxen zu wenig Beachtung geschenkt. Natürlich kommen sie meistens nicht deswegen, sondern aus einem anderen Grund. Die Hormonmedikation steht meistens erstmal nicht zur Debatte. Man lässt das so stehen, mischt sich nicht ein und therapiert, was die Patientinnen therapiert haben wollen – selbst wenn die aktuelle Symptomatik bei näherer Betrachtung vielleicht sogar recht deutliche Zusammenhänge mit dem Einfluss der synthetischen Hormone nahelegt.

In meinem Praxis-Alltag fiel mir auf, dass das Konzept der Vollwertigen Trennkost bei Frauen mit Hormongaben in den Wechseljahren oder unter Pilleneinfluss nicht greift. Eine angestrebte, oft notwendige Gewichtsregulation, die unter dieser Ernährungsform normalerweise mit größter Leichtigkeit zu erreichen ist, blieb immer wieder trotz größter Disziplin der Beteiligten unerreichbar.

Bei Frauen, die kinderlos geblieben und nahtlos von der Pille in die Hormonverordnung der Wechseljahre übergegangen waren, ist oft ein spezieller Teint zu beobachten, eine unnatürliche Rötung, Aufschwemmung der Haut, teigige Verwaschenheit im Ausdruck und Übergewicht. Die Stimme ist oft eher kindlich, das ganze Auftreten konturlos, wenig selbstbewusst. Mir ist diese spezielle Physiognomie bei Frauen in und nach den Wechseljahren so vertraut, dass ich die „Hormongeschichte“ oft schon sehe, ehe ich sie aus der Erstanamnese bestätigt bekomme. Es entsteht der Verdacht, dass die Entfaltung der urweiblichen Kraft, die sich in einer gesunden, unabhängigen Frau im Laufe ihres Lebens vollzieht, hier im Pubertätsalter stecken geblieben ist. Ein Mädchen steckt im Körper einer alternden Frau. Es ist erschreckend, dies in aller Deutlichkeit wahrzunehmen. Von den Frauen wird der Zusammenhang nicht gesehen, Seele und Körper kompensieren ihn oft durch schwere Depression, übersteigerte Aktivität und Einmischung in das Leben anderer. Von Altersweisheit keine Spur.

Hier ein typischer Fallbericht: „Als ich mit 44 die Pille absetzte, hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich Lust auf Sex. Ich kannte mich selbst nicht wieder. Es machte mir wirklich Spaß. Das hätte ich nie für möglich gehalten. 25 Ehejahre lang habe ich mich nur auf Sex eingelassen, weil mir klar war, welches Schicksal meiner Ehe sonst bevorsteht. Ich kannte es ja nicht anders. Ich hielt es für normal, dass mir als Frau Sexualität weniger Freude macht als meinem Mann.“

Die Patientin war so überrascht von dieser Entdeckung, dass sie die Probe aufs Exempel machte und noch einmal für drei Monate ihre Pille einnahm und dann wieder absetzte. Sie fand ihre Beobachtung bestätigt und war entsetzt. Aber bei wem sollte sie sich beschweren? Das stand zwar alles in der Packungsbeilage – aber sie hat es nicht geglaubt.

Eine andere Patientin (Anfang 30) setzte nach 14 Jahren die Pille aus eigenem Entschluss ab, weil sie Kinder haben wollte. Sie stellte plötzlich eine viel bessere Grundstimmung fest, konnte Farben, Gerüche und Geschmack viel intensiver wahrnehmen, fühlte sich mit sich selbst wesentlich mehr im Einklang, wie ein neuer Mensch. Und auch sie fragte: „Warum hat mir das keiner gesagt?“ Doch bei aller Freude über das neu gewonnene Empfinden weiß sie nicht, was ihr in all den Jahren zuvor alles entgangen ist. Wie hätte sich z.B. ihr soziales Leben anders entfaltet?

Dass es so und ähnlich millionenfach geschieht – daran wird sich vorerst wohl nichts ändern. Wir können aber die Neben- und Nachwirkungen der Pilleneinnahme, v.a. mit Pflanzenheilkunde, zu einem erheblichen Teil abfangen und mindern, mit guter Ernährung, Gewichtsregulierung und Sport die klimakterischen Symptome auf ein Minimum reduzieren, in der Kinderwunschtherapie die „Reproduktionsmedizin“ durch eine menschen- und partnerschaftsgemäße Fruchtbarkeitsförderung ersetzen.

Wege der Pflanzenheilkunde

Alle oral aufgenommenen Antikontrazeptiva passieren die Leber und werden dabei abgebaut (First-Pass-Effect). Um dies auszugleichen, wird die Dosierung auf ein Maß angehoben, das auch jenseits der Leberentgiftung noch Wirkung zeigt. Folge ist eine dauerhafte Leberbelastung bei und nach einer Hormonmedikation.

Mariendistel und Löwenzahn sind die beiden wichtigsten Pflanzen zur Entlastung der Leber. Ich verordne in meiner Praxis jeweils Urtinktur-Präparate (CERES Taraxacum ø und CERES Carduus marianus ø, beide Alcea) für einen Zeitraum von mind. einem halben Jahr. Dies ist sinnvoll nach Abschluss jeder Hormontherapie zur allgemeinen Entlastung und Entgiftung, besonders dann, wenn sich Zyklusstörungen vor der Menopause zeigen und wenn nach Absetzen der Pille der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht. In diesen Fällen sollte zusätzlich die Hypophyse stimuliert werden. Dazu eignet sich das Präparat Phyto-L. Die gleichzeitig zu leistende lokale Anregung der Eierstocksaktivität kann Rosmarin (CERES Rosmarinus ø) bewirken, Kapuzinerkresse (CERES Tropaeolum majus ø) und Meisterwurz (CERES Imperatoria ø) unterstützen diesen Prozess. Weiter empfehlenswert sind täglich temperaturansteigende Fußbäder nach Schiele oder Ganzkörper-Moorbäder, auch eine Umstellung auf zusatzstofffreie, vitale biologische Kost.

„Alles, was echt ist, hilft!“

Als Nahrungsergänzungsmittel ist Propolis besonders passend. Ich verwende in meiner Praxis das Präparat Matricell (St. Johanser). Luna Yoga ist eine Form der Bewegung und Bewusstwerdung, die auch in höherem Lebensalter die Hormonaktivität der Frau noch einmal zum individuellen Optimum hin aktivieren kann.

Basisheilpflanzen, die den Regenerationsprozess bestens unterstützen, sind der Frauenmantel und Alchemilla. Jungen Mädchen hilft Alchemilla, eine stabile Zyklusfunktion ohne Hormone zu entwickeln, jungen Frauen hilft sie, prämenstruelle Syndrome natürlich zu überwinden, Frauen in den Wechseljahren hilft sie, den körperlichen Wechsel sanft zu gestalten und den seelisch-geistigen gut zu ergreifen, Frauen weit jenseits der Menopause hilft sie, ihre Weiblichkeit noch einmal neu zu definieren, selbstbestimmt zu leben und mit Lust zur „weisen Alten“ zu werden. Frauenheilkunde ohne Alchemilla ist schlicht undenkbar. Es ist die Pflanze der weiblichen Identitätsfindung in unserer so männlichen Zeit.

Wann auch immer sich eine Frau entscheidet, ihr Frau-Sein endlich mit allen Höhen und Tiefen ganz individuell zu entfalten, ob ganz bewusst schon als junge Frau oder erst dann, wenn manche Tore sich schon geschlossen haben und der ein oder andere Preis schon bezahlt wurde – für ein erfülltes Frau-Sein ist es nie zu spät.

Anne LohmannAnne Lohmann
Heilpraktikerin in eigener Praxis in Siegen mit Therapieschwerpunkten Ganzheitliche Pflanzenheilkunde, Ernährungsberatung, Haptonomie, Qi Gong, Psychosomatische Medizin und Reflexzonentherapie.