Neurodermitis als Folge sexuellen Missbrauchs
Neurodermitis (gr.: atopía – Ortlosigkeit; ekzema – Aufgegangenes) ist eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit und gehört zu den atopischen Erkrankungen. Hauptsymptome sind rote, schuppende Ekzeme auf der Haut und starker Juckreiz. Die Erkrankung verläuft schubweise und hat ein individuelles und vom Lebensalter abhängiges Erscheinungsbild. Neurodermitis ist in Industrieländern weit verbreitet, 10 – 20 % der Kinder und 3 – 5 % der Erwachsenen sind betroffen. Im Vergleich zur Mitte des letzten Jahrhunderts wird aktuell von einem 4 – 6 Mal häufigeren Auftreten ausgegangen. Für die Entstehung von Neurodermitis ist das Zusammenspiel von genetischen Faktoren, immunologischen Veränderungen, Ernährung, Stoffwechsel, Psyche und Umwelteinflüssen verantwortlich.
Symptome und Beschwerden
Die Haut des Neurodermitikers ist trocken und stark gerötet. Typisch betroffene Stellen sind Armbeugen, Kniekehlen, Hals und Gesicht. Das Hauptproblem des Neurodermitikers ist der starke Juckreiz. Er muss kratzen, wodurch weitere Hautirritationen entstehen. Dieser Teufelskreis trägt zur Aufrechterhaltung der Symptome bei. Der Juckreiz ist nachts besonders stark, es kommt häufig zu Schlafmangel. Die daraus folgende Übermüdung und Leistungsminderung stellt für die Betroffenen eine zusätzliche starke psychische Belastung dar.
Trigger und Provokationsfaktoren
Die Haut der Betroffenen ist sehr empfindlich gegenüber inneren und äußeren Irritationen. Diese sogenannten „Trigger“ können in Verbindung mit starkem Juckreiz eine Hautrötung auslösen, die sich rasch zu einem Ekzem entwickelt.
Provokationsfaktoren können Textilien, Nahrungsmittel, Schweiß, Infekte, Aeroallergene, Stress, Alkohol, klimatischer oder hormoneller Ursache sein.
Verlauf
Die Symptome äußern sich bei jedem Betroffenen in unterschiedlicher Ausprägung und an verschiedenen Stellen. Die Erkrankung tritt meist in Schüben auf – häufig ohne direkt erkennbaren Grund. In der akuten Entstehungsphase dominieren entzündliche Veränderungen, wie z.B. Rötung, Schwellung der Haut, Nässen, Krustenbildung. Werden diese akuten Entzündungsreaktionen nicht rechtzeitig behandelt, können bakterielle Sekundärinfektionen hinzukommen.
Psychische Folgen
Psychosomatische Zusammenhänge spielen beim atopischen Ekzem eine große Rolle. Das Krankheitsbild kann sich durch psychische Belastung deutlich verschlechtern, während die Hautbeschwerden wiederum einen negativen Einfluss auf die Psyche des Patienten haben. Typische Folgereaktionen sind Konzentrationsstörungen und Gereiztheit. Viele Betroffene leiden unter der Beeinträchtigung ihres Aussehens. Die unschönen Ausschläge führen oft zur sozialen Ausgrenzung und zu einer Verminderung des Selbstwertgefühls.
Sexueller Missbrauch
Sexueller Missbrauch bezeichnet unter Strafe gestellte sexuelle Handlungen an Menschen und wird in Deutschland als schwerwiegendes Verbrechen angesehen, v.a. der sexuelle Missbrauch von Kindern (als Kinder werden in Deutschland Personen vor dem 14. Lebensjahr verstanden). Das Handeln gegen den Willen des Opfers unter Anwendung von Gewalt, Drohung mit Gewalt oder unter Ausnutzung einer schutzlosen Lage stellt eine sexuelle Nötigung dar. Bei Vollzug des Beischlafs oder ähnlichen sexuellen Handlungen liegt eine Vergewaltigung vor. Sexueller Missbrauch fügt den Opfern schwere seelische Schäden zu, die häufig zu lang anhaltenden psychischen Störungen führen, z.B. Posttraumatische Belastungsstörung, Depression, Borderline, Dissoziative Störungen, Multiple Persönlichkeitsstörung. Sexueller Missbrauch an Kindern hat katastrophale Auswirkungen auf ihre Persönlichkeitsentwicklung und ihr späteres Bindungs- und Beziehungsverhalten.
Wie verarbeiten Opfer ihren sexuellen Missbrauch?
Jeder verarbeitet ihn anders, wobei es eine Gemeinsamkeit gibt – das Extreme der Verarbeitung: Viele Opfer entwickeln eine Sexbesessenheit und wechseln wöchentlich den Bettpartner, andere leben keusch wie Mönche bzw. Nonnen. Es kann zum kompletten sozialen Rückzug kommen, oder sie werden zu Partylöwen. Viele enden als Schul-Versager, andere als Bestnoten-Schüler. Manche beschädigen ihren Körper (z.B. mit „Ritzen“) oder unternehmen Selbstmord-Versuche und sind anfällig für Fremd-Ausbeutungen aller Art (z.B. durch ihren Chef, ihren Partner, durch Sekten etc.). Suchtproblematiken (v.a. Alkohol, Drogen) sind häufig, es gibt aber auch militante Abstinenzler. Viele Opfer werden selbst zum Täter und landen im Gefängnis, andere bleiben Dauer-Opfer mit oftmaligen Wiederholungen.
Die meisten kindlichen Missbrauchsopfer leugnen oder dissoziieren zunächst das Vorgefallene. Trauma-Forscher haben festgestellt, dass es nach dem Abklingen der akuten Trauma-Reaktion-Phase eine viel längere, die sogenannte Latenz-Phase gibt, in der nur sehr wenige Reaktionen vorkommen. Die dritte Phase mit heftigen Trauma-Spätfolgen kann u.U. Jahre oder Jahrzehnte später erst ausbrechen.
Erschreckende Zahlen
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Missbrauchs-Raten in Deutschland im Bereich zwischen 20 und 30% aller Mädchen und 10 bis 15% aller Jungen bis zum Jugendalter liegen. Ein schockierendes Ergebnis, das klar macht, dass sexueller Missbrauch eine der häufigsten Krankheits- bzw. Störungsursachen von Kindern in unserer Gesellschaft ist. In jeder Schulklasse finden sich rein statistisch mehrere missbrauchte Kinder. Etwa 70% aller weiblichen Insassen geschlossener Psychiatrien wurden als Kind sexuell missbraucht. Unter Prostituierten sind ähnlich hohe Prozentzahlen ermittelt worden.
Verdrängen, wegsehen, ignorieren, nicht bemerken, nicht behandeln lassen sind immer noch die Standard-Umgangsformen mit sexuellem Missbrauch, dabei ist es eine der tiefsten und stärksten Schädigungen, die ein Mensch erfahren kann. Wer Missbrauchs-Erlebnisse verdrängt oder abgespalten hat, wird oft falsch diagnostiziert (z.B. Borderline oder Schizophrenie). Neurodermitis und andere Hautkrankheiten können typische Symptome verdrängter und dissoziierter Traumatisierungen sein. Die eigentlichen Schäden sind aber immaterieller Art: entgangene Lebensfreude, zerstörte Beziehungen, Weitergabe von Traumatisierungen an die nächste Generation. Eine Gesellschaft, die darüber schweigt, es tabuisiert und Opfer mit sozialer Missachtung bestraft, ist traurige Realität.
Körperliche und psychosomatische Symptome nach sexuellem Missbrauch können sein:
- Schlafstörungen
- Sprachstörungen
- erhöhte Schmerzgrenze
- unübliches Bettnässen (z.B. im erwachsenen Alter)
- Verdauungsstörungen
- Einkoten
- gestörtes Hygieneverhalten
Verspannungen, Haltungsschäden- Asthma
- Ohnmachtsanfälle
- Epilepsie
- Migräne, Kopfschmerzen
- Autismus
- psychosomatische Blutungen
- Lähmungserscheinungen
- Bauchschmerzen ohne erkennbare Ursache
- Schmerzen ungeklärter Ursache im Genitalbereich
- immer wieder auftauchende oder lang anhaltende, therapieresistente Infektionen, Ekzeme im Anal- und Genitalbereich
- Schmerzen ungeklärter Ursache beim Stuhlgang
- Hauterkrankungen, z.B. Neurodermitis, Juckreiz, Ausschläge
Psychische Symptome nach sexuellem Missbrauch können sein:
- Ängste, Panikanfälle
- Entwicklungsrückfall
- Konzentrationsstörungen
- aggressives Verhalten
- Rückzug von Freunden und Familie
- Zwänge, Phobien
- Beziehungsschwierigkeiten, Kontaktstörungen
- Psychosen
- Multiple Persönlichkeitsstörung
- Sprachstörungen
Scham- und Schuldgefühle- Hilflosigkeit
- geringes Selbstwertgefühl
- Depressionen
- Berührungsängste
- übertriebenes Anpassungsverhalten
- Autoaggressionen (Suizidversuche, Haare ausreißen, Süchte, Selbstverletzungen)
- Bulimie
- Unfallhäufigkeit
- Annahme einer Opferrolle
- Entfremdungsgefühle, Isolation
- Abspaltung von Gefühlen, Aufspaltung in mehrere Persönlichkeiten
- Gefühl „verrückt zu werden“
- Würge- und Erstickungsgefühle
- Albträume
- Ekel vor Körperlichkeit
- psychogene Amnesien
Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch und Neurodermitis
Wer sexuell missbraucht wird, erleidet unvorstellbare körperliche und seelische Qualen. Diese müssen verarbeitet werden, was aber ohne professionelle Hilfe kaum möglich ist. Das Opfer entwickelt gegenüber dem eigenen Körper Ekel und lehnt ihn ab, eine Hautkrankheit wie Neurodermitis ist oft die Folge. Es ist ein Hilfeschrei, der sich über unreine Haut ausdrückt, ein Resultat aus geschädigter Psyche und missbrauchtem Körper. Schuldgefühle gegen sich selbst und den eigenen missbrauchten, „dreckigen“ Körper haben sich ins Denken eingebrannt. Der Körper folgt diesen Gedanken und wird tatsächlich krank.
Viele Betroffene sprechen nicht über ihren Missbrauch, sie sind stumm und versuchen, alleine damit klarzukommen. Sie vertrauen sich nicht mal ihren engsten familiären Vertrauten an. Psychologisch gesehen sollten Probleme immer ausgesprochen werden, damit die Seele Erleichterung erfährt. Ist dies nicht der Fall, wird der psychische Druck so groß, dass psychische Störungen entstehen, und wenn diese nicht bearbeitet werden, werden daraus psychosomatische und letztlich somatische Störungen.
Fallbeispiele aus der Praxis:
- 55-jähriger Patient mit ausgeprägter Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen, diversen Allergien, Schlafstörungen. Als 9-jähriger wurde er mehrmals sexuell missbraucht. Er weiß das! Es ist ihm bewusst, was damals geschah. Er klagt über Hautbeschwerden, Atemnot, Müdigkeit und psychische Niedergeschlagenheit. Diese Beschwerden belasten ihn sehr! Über den Missbrauch hat er nie mit jemandem gesprochen. Schulmedizinische medikamentöse Therapien (bis Cortison) erleichtern ihm zwar das Leben, aber Heilung und Besserung hat er nicht erfahren. Als „Opfer“ fühlt er sich ohnmächtig, allein der Gedanke an damals sorgt für Panik und Atemnot. Mit Heilhypnose, Psychotherapie, Neuraltherapie, Akupunktur, Ernährungsumstellung und Darmsanierung gelang es uns, die Gesundheit des Patienten wieder herzustellen und ihn von seinem traumatischen Erlebnis zu befreien.
- 36-jährige Patientin mit Neurodermitis, Infektionen und Pilzbefall seit über 16 Jahren! Ein sexueller Missbrauch ist ihr weder bewusst noch bekannt! Sie berichtet von ihren immer wiederkehrenden Infektionen im Anal- und Genitalbereich und ist ratlos, weil die Medikamente ihrer Gynäkologin keine dauerhafte Lösung bieten. Ihr eheliches Sexualleben ist völlig gestört. Wir behandeln mit Hypnose, erfahren von sexuellem Missbrauch als 10-jährige und ersetzen die falschen, krankmachenden Programme durch positive Bilder und Erfahrungen. Wir führten die Patientin unter Hypnose in einen Garten mit vielen Bäumen und Wiesen. Sie sollte sich als Baum sehen und beschrieb sich als fast kaputten Baum, der von ihrem Vater, Onkel, Cousin und einen Freund der Familie mit Axt und Säge traktiert wurde. Ich erklärte ihr, dass es diesen Personen sehr kalt war und sie sich mit dem Holz dieses Baumes im Kamin wärmen wollten, weiter, dass sie die Zerstörung des Baumes nun bereuen und einen Gärtner (= Therapeut) beauftragt haben, dem Baum zu helfen, dass es ihm wieder gut geht und er weiter gedeiht. Nach 3 Hypnose-Behandlungen geht es der Patientin bedeutend besser, nach 6 Sitzungen und fast täglicher Selbsthypnose blendend! Ihre Haut ist geschmeidig und erscheinungsfrei, ihr Genitalbereich völlig gesund. Diese Heilung zeigt, dass viele körperliche Beschwerden auf Grund einer psychischen Störung (in diesem Fall „Sexueller Missbrauch“) entstanden und durch die Hypnosetherapie sehr gut beeinflussbar, sogar heilbar sind.
Reza Schirmohammadi
Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin, Experte für Naturheilverfahren und Schmerztherapie.
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Abbas Schirmohammadi
Heilpraktiker für Psychotherapie, Personality Coach, Management-Trainer, Mediator. Mehrfacher Buchautor.
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