Unsere Heilpflanze: Echte Kamille - Matricaria chamomilla

Veröffentlicht in Heftarchiv - Heft 01/2011

Apfelblümlein, Apfelkraut, Feldkamille, Frauenblume, Ganille, Haugenblume, Helmergen, Helmriegen, Hermelin, Herminzel, Johannisköpfchen, Kammerblume, Kummerblume, Kühmelle, Laugenblume, Mariamagdalenakraut, Muskatblume, Mutterkraut, Mägdeblume, Ramerian, Remi, Romerei

© victoria p. - Fotolia.comDer botanische Name „Matricaria chamomilla“ ist abgeleitet vom lateinischen Wort matrix = Gebärmutter, da die Echte Kamille als altes Mittel bei Frauenkrankheiten verwendet wurde.

Im Jahr 1987 war die Echte Kamille Arzneipflanze des Jahres.

Es gibt verschiedene Kamillearten, die nicht mit der Echten Kamille verwechselt werden sollten, da ihnen die Heilkraft fehlt, wie beispielsweise die Hundskamille, bei dieser ist außerdem in Spuren das Kontaktallergen Anthecotulid enthalten.

Woran erkennt man Echte Kamille?

Sie ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 50 cm. Die ganze Pflanze besitzt einen starken, charakteristischen Kamillengeruch. Die Stängel stehen aufrecht und kahl, im oberen Bereich sind sie stark verzweigt. Die Blätter sind 4 bis 7 cm lang und zwei- bis dreifach fiederteilig. Die einzelnen Zipfel sind schmal linealisch, knapp 0,5 mm breit und tragen eine Stachelspitze. Die Blütenböden sind im Gegensatz zu anderen Kamillearten hohl. Dies ist eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale.

Die Echte Kamille ist ein Lichtkeimer und eine Langtagpflanze.

Wo findet man Echte Kamille?

Sie ist in Süd- und Osteuropa heimisch, möglicherweise auch in Vorderasien. Heutzutage ist sie in ganz Europa verbreitet, eingebürgert wurde sie in Nordamerika und in Australien. Echte Kamille wächst auf Äckern und auf Ödland, sie bevorzugt frische, nährstoffreiche, meist kalkarme, eher humose Lehm- und Tonböden. Sie wird daher als Lehmzeiger bezeichnet.

Wie wirkt Echte Kamille?

© victoria p. - Fotolia.comAntibakteriell, austrocknend, beruhigend, blutreinigend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, schmerzlindernd, schweißtreibend und tonisierend.

Eine innerliche Anwendung der Echten Kamille erfolgt bei Störungen im Magen-Darm-Bereich wie z.B. Aufstoßen, Völlegefühl und Sodbrennen, bei Krämpfen und Entzündungen im Verdauungstrakt, bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut, der oberen Atemwege, bei Durchfällen, Blähungen und Brechreiz. Ein Inhaltsstoff des Kamillenöls hemmt die Pepsinfreisetzung im Magen und lindert somit Magen-Darm-Beschwerden.

Die äußerliche Anwendung der Echten Kamille erfolgt bei Haut- und Schleimhautentzündungen, bei bakteriellen Hauterkrankungen einschließlich der Mundhöhle und des Zahnfleischs. Auch zur Nachbehandlung von Wunden wird Kamille eingesetzt. Weitere äußerliche Anwendungen sind die Inhalation bei entzündlichen Erkrankungen der Atemwege sowie Bäder oder Spülungen bei Erkrankungen im Anal- und Genitalbereich.

Auch bei Verbrennungen 2. Grades, Sonnenbrand und Frostbeulen kann Kamille lindernd wirken.

Die wichtigsten Anwendungsgebiete für Echte Kamille sind:

  • Abszesse, Furunkel, Ekzeme
  • Bauchweh, Blähungen, Brechreiz, Darmkrämpfe, Durchfall, Gastritis
  • Magenkrämpfe, Magenschmerzen
  • Entzündungen des Mund-, Nasen- und Rachenraumes
  • Grippale Infekte, Halsentzündungen, Husten, Erkältungskrankheiten
  • Hämorrhoiden
  • Hautleiden
  • Menstruationsbeschwerden
  • schlecht heilende Wunden

Warnhinweise

Die Kamille hat einen austrocknenden Effekt. Wenn man zu einer ständig zu trockenen Nase neigt, sollte man nicht noch zusätzlich mit Kamillendampf inhalieren!

Wegen möglicher Allergien darf man entzündete Augen nicht mit Kamille ausspülen!

Welche Wirkstoffe enthält Echte Kamille?

Sesquiterpenlactone (Guaianolide): Matricin (0,03-0,2%), Matricarin und Desacetylmatricarin.

Es wurden über 30 Flavonoide (bis zu 6%) isoliert (Apigenin, Quercetin, Chrysoeriol, Lutein, Patuletin, Rutin, Hyperosid und Cosmosiin). Weitere Inhaltsstoffe sind Cumarine wie Umbelliferon, Herniarin, Aesculetin, Cumarin, Scopoletin und Isoscopoletin. Außerdem sind rund 2,5% 2-Glucosyl-4-methoxyzimtsäure enthalten, darüber hinaus Anissäure, Kaffeesäure, Vanillinsäure und Syringasäure. Der Schleimgehalt beträgt 3-10%.

Wesentlichster Bestandteil der Echten Kamille ist mit 0,3-1,5% das ätherische Öl.

2011-01-Kamille3Wichtigste Bestandteile sind Bisabolol (5-70%, siehe Formel), die Bisabololoxide A (5-60%), B (5-60%) und manchmal C (0-8 %), trans-Farnesen (7-45%), cis-(Z)- und trans-(E)-En-In-Dicycloether (2-30%) sowie Spathulenol (rund 1%) und Chamaviolin.

Das blaue Chamazulen, das in einer Menge von bis zu 35% enthalten ist und auch oft in der Kosmetik verwendet wird, entsteht durch Esterspaltung, Wasserabspaltung und Decarboxylierung aus dem nichtflüchtigen Matricin.

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?

Die Kamillenblüten! Die getrockneten Blütenstände werden als Matricariae flos., Flores Chamomillae bzw. Kamillenblüten bezeichnet. Der Gehalt an ätherischem Öl muss mindestens 4 ml pro kg getrockneter Blüte betragen. Als Heilpflanze darf sie nur aus Blütenköpfchen bestehen, im Lebensmittelbereich ist auch der Zusatz von Blättern erlaubt.

Lebensmittel-Kamillentee hat meist eine geringere Konzentration an Wirkstoffen. Trotzdem sollte man bei einer regelmäßigen Verwendung von Kamillenblüten in Haustees darauf achten, dass die Konzentration der Kamillenblüten deutlich unter dem medizinischen Bereich bleibt. Die Qualität der Kamille ist stark abhängig vom Zeitpunkt des Pflückens.

Rezepte und Anwendungshinweise

Innere Anwendungen:

Als Carminativum
Zutaten:
5 g Fenchel
3 g Anis
3 g Kümmel
3 g Angelikawurzel
3 g Liebstöckelwurzel
2 g Pfefferminzblätter
1 g Kamillenblüten
120 ml Doppelkorn (mindestens 40% Vol.)

Alle Zutaten (bekommt man in der Apotheke) mit dem Doppelkorn oder anderen Spirituosen mit mindestens 40% Vol. Alkohol etwa 1 Monat extrahieren und dann abseihen. Im Gebrauch nicht mehr als 2-4 cl (das entspricht einem Schnapsglas) verwenden.

Dieses Mittel dient als Carminativum, d.h., es ist blähungstreibend und auch verdauungsfördernd.

Bei Menstruationsbeschwerden: Mischung aus gleichen Teilen Kamille, Thymian und Quendel. Alle Zutaten mit kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen und abends 1 Tasse trinken.

Bei Wechseljahresbeschwerden: Eine Mischung aus 1 Teil Baldrianwurzel und je 2 Teilen Kamillenblüten und Pfefferminzblättern zubereiten. Davon 1 Teelöffel auf 1 Tasse, mit kochendem Wasser überbrühen und 10 Minuten ziehen lassen. Abseihen und 3x täglich 1 Tasse trinken.

Äußere Anwendungen:

Kamillen-Umschläge: 2-3 Esslöffel getrocknete Kamillenblüten mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen, das Umschlagsmaterial (Textil) damit tränken und auf die betroffenen Stellen legen.

Inhalation bei Nebenhöhlenentzündung, Schnupfen, Heiserkeit und Stirnhöhlenvereiterungen: Übergießen Sie 2 Esslöffel Kamillenblüten mit kochendem Wasser und inhalieren Sie die Dämpfe. Vorsicht: Den Kopf nicht direkt über das Gefäß halten, da man sich sonst die Schleimhäute verbrühen könnte.

Badezusatz bei Gliederschmerzen und Hautproblemen: Einen Aufguss von 500- 1.000 g Kamille in 3-4 Liter Wasser auf ein Vollbad geben.

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.