Wechseljahre - Bewährtes Heilkonzept der Mesologie

© Artenauta - Fotolia.comHitzewallungen, Schweißausbrüche, Erschöpfung, unruhiger Schlaf, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, aber auch psychische Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und Konzentrationsschwäche – die typischen Symptome für die Wechseljahre der Frau oder das so genannte Klimakterium. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Krankheit, sondern um einen normalen hormonellen Übergang im Leben von Frauen (und Männern).

Wenn bei Frauen Symptome auftreten, die zu den Wechseljahren „gehören“, sind diese immer so individuell wie die Frau selbst. Um die zugrunde liegenden Ursachen feststellen und angemessen behandeln zu können, sollte dementsprechend immer das Individuum betrachtet werden.

Anhand des Beispiels einer 54-jährigen Patientin soll dies im Verlauf des Artikels verdeutlicht werden. Frau M. kam mit verschiedenen Wechseljahresbeschwerden in das Integral-Medizinische Zentrum und damit zur Mesologie, die eine Brücke zwischen Schul- und Naturheilmedizin schlägt. Sie hatte nicht nur einen unregelmäßigen Zyklus, sondern vor allem Menstruationsblutungen, die bereits länger als zwei Wochen anhielten, sowie unerklärliche Schmerzen und Krämpfe im Unterbauch. Darüber hinaus klagte sie über Ängste, ständige Müdigkeit und starke Kopfschmerzen.

Im Unterschied zur Schulmedizin und vielen alternativen Heilmethoden folgt die Mesologie bei ihrer Diagnosefindung nicht den Symptomen. Die Mesologie beginnt vielmehr ungeachtet der Beschwerden mit einer umfassenden individuellen Funktionsdiagnostik des Organismus. Oftmals liefern die Ergebnisse ganz neue Behandlungsansätze – auch für die Wechseljahresbeschwerden von Frau M.

Wechseljahresbeschwerden aus mesologischer Perspektive

Für Mesologen sind Beschwerden wie die der Wechseljahre die Folge individueller Dysfunktionen, deren Ursachen mithilfe der spezifischen Diagnostik präzise ermittelt werden. Das Hormonsystem ist höchst komplex und steht zugleich in sehr engem Zusammenhang mit anderen körperlichen wie psychischen Prozessen. Wechseljahresbeschwerden werden mesologisch tätige Therapeuten und Therapeutinnen deshalb auch nicht symptomatisch, sondern bezogen auf die jeweiligen Dysfunktionen behandeln.

2011-05-Wechseljahre2Die mesologische Untersuchung von Frau M. ergab als wichtigstes Ergebnis eine Störung der Leber-Galle-Funktion (Abb. 1): Die Cholerese (Gallebildung und -abgabe) und die Hepatozytenfunktion wichen von den Normalwerten ab. Zudem waren auch die Funktionen der Chylusgefäße im Dünndarm (Fettaufnahme in die Lymphe) und der Lipase-Enzyme des Pankreas (Bauchspeicheldrüse) auffällig.

Die chinesische Pulsdiagnose zeigte ein Defizit der Leber-Galle-Funktion und einen Exzess des Dünndarms, d.h. eine Entgleisung des Milieus. Die körperliche Untersuchung ergab eine Hypertension des gesamten Darmbereichs, die auf ein stark aufgeblähtes Darmrohr hinweist.

Bei der weiteren Untersuchung stellte sich die mangelnde Funktion der Hepatozyten als dirigierende Dysfunktion heraus, die alle anderen Befunde nach sich zog.

Was ist der Hintergrund für die Dysfunktion?

Die Leber hat viele Aufgaben, wie z.B. Verdauung, Speicherung, Entgiftung sowie die Herstellung von Baustoffen und Galle. Sie baut auch den größten Teil aller Cholesterinverbindungen im Körper auf (nur ein kleiner Teil des Gesamtcholesterins wird über die Nahrung aufgenommen). Cholesterin ist der Ausgangsstoff verschiedener Hormone wie z.B. Progesteron und Östrogen. Wenn sich aufgrund der Umsetzung „falscher“ Fettsäuren die Qualität des Cholesterins verschlechtert, werden infolgedessen auch „qualitativ schlechte“ Hormone produziert, wodurch wiederum der gesamte Hormonhaushalt durcheinander gerät. Gleichzeitig kommt es in der Leber zu einer Störung der Gallenfunktion, die oftmals durch eine Vergrößerung der Leber kompensiert wird. Zugleich stützt sich die Leber mechanisch auf den Darm, der sich seinerseits „aufbläht“, um die Leber zu stützen. Die Folge dieser Prozesse ist ein Blähbauch mit Schmerzen und Krämpfen, wie er sich bei Frau M. gezeigt hat. Die Wiederherstellung eines ausbalancierten Fettsäurehaushalts ist in diesem Fall eines der wichtigsten Therapieziele.

Viele reagieren auf das Thema „Fett“ zunächst nicht positiv, weil sie davon ausgehen, dass Fett dick macht, die Blutgefäße schädigt und nur in sehr geringem Maße Bestandteil einer gesunden Ernährung ist. Jedoch kann unser Körper nicht ohne Fett funktionieren. Fett enthält sogenannte essenzielle Fettsäuren, die für eine glatte Haut, gesunde Blutgefäße und den Blutdruck, für geschmeidige Gelenke, eine gute Widerstandskraft und auch für normal verlaufende, d.h. beschwerdefreie Wechseljahre wichtig sind.

© petrabarz - Fotolia.comEssenzielle Fettsäuren finden sich u.a. in pflanzlichem Öl wie z.B. Olivenöl, Sonnenblumenöl, Distelöl und Maisöl. Im Körper werden diese Fettsäuren nicht direkt aktiv, sondern müssen vielmehr verschiedene Umsetzungsschritte durchlaufen, bis ihre Bausteine dem Körper zur Verfügung stehen. In der Natur existieren aber auch Fettsäuren, die der Körper ohne diesen Umweg und schneller umsetzen kann. Diese Fettsäuren kommen in Nachtkerzenöl (Abb. 2), Borretschöl (Borago officinalis) und Fischöl vor und werden kurz GLA (Gammalinolsäure) und EPA (Eicosapentaensäure) genannt. Diese Öle sind als Nahrungsergänzungen in Kapselform verfügbar.

Behandlung der Dysfunktion für beschwerdefreie Wechseljahre

Vor dem Hintergrund ihrer wissenschaftlichen Kenntnisse in Kombination mit dem umfangreichen Wissen über naturheilkundliche Herangehensweisen, Ayurveda, TCM, Homöopathie und Osteopathie, steht Mesologen ein breites Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung. Die mesologische Therapie richtet sich dabei immer auf den sanften Weg der Wiederherstellung des individuellen körperlichen, psychischen und sozialen Gleichgewichts der Patienten und auf die Integration von Dysfunktionen. In Abhängigkeit individueller funktioneller Störungen sind dabei oftmals Anpassungen der Ernährung nötig, um bestimmte Produkte zu meiden oder die passenden Produkte sowie Vitamine, Mineralien und essenziellen Fettsäuren zu finden. Die dafür notwendigen spezifischen Tests bilden im Rahmen der Elektro-Physiologischen Diagnostik (EPD) bereits einen festen Bestandteil der mesologischen Diagnose und Behandlung.

Bei Frau M. erfolgte die Therapie mit spezifischen homöopathischen Medikamenten und orthomolekularen Supplementen, die den Fettsäurehaushalt im Körper unterstützen. Zu Beginn lag der Schwerpunkt auf der Verbesserung der Hepatozytenfunktion mit Hinblick auf den Fetthaushalt. Hierzu wurde das Schüßler-Salz Natrium sulphuricum D6 gegeben, da Natriumsulfat für den Aufbau von Gallensalzen wichtig ist, und orthomolekular die Fettsäure GLA-EPA, um die korrekte Bildung von Steroidhormonen zu unterstützen.

Acht Wochen später berichtete Frau M. über einen normalen Zyklus und dass Bauchschmerzen und Müdigkeit verschwunden seien. Ihre Kopfschmerzen wären noch vorhanden, aber weniger stark. Hinzugekommen war nun ein Juckreiz am ganzen Körper, möglicherweise eine Begleiterscheinung einer veränderten Leberfunktion. Die Medikation wurde entsprechend dem aktuellen Befund angepasst, wonach als zusätzliches Drainagemittel für die Leber-Pankreas-Funktion das homöopathische Mittel Lycopodium D6 zum Einsatz kam. Zwei Monate später waren alle Beschwerden verschwunden, verschrieben wurde jetzt das Kraut Fumaria officinalis (Erdrauch). Nach weiteren drei Jahren waren bei Frau M. die Wechseljahre ohne jegliche Symptome vorübergegangen.

Die mesologische Vision und Herangehensweise

Die Wechseljahre einer Frau sollten einen natürlichen „Wechsel“ ohne plötzlichen oder heftigen Übergang im Hormonhaushalt darstellen. Dies kann man mit den Jahreszeiten oder Vivaldis gleichnamiger Komposition vergleichen; auch hier kann man keinen solchen Bruch zwischen den Quartalen bzw. Musikstücken feststellen.

Die mesologische Sicht eröffnet eine komplexe Sicht auf die Wechseljahre. Die körperlichen Aspekte mit Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, trockenen Schleimhäuten, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen usw. sind allgemein bekannt. Emotionale Beschwerden können sich als Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Abnahme von sexuellem Interesse und Depressionen äußern. Diese Symptome sind typisch für eine „gestörte“ Zusammenarbeit von Leber und Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die für die richtige Durchführung der hormonalen Veränderungen unbedingt optimale Baustoffe brauchen (s. Infokasten). Fehlen diese essenziellen Baustoffe, wird u.a. die Schilddrüse „zu Hilfe gerufen“. Deren übermäßige Aktivität führt jedoch wiederum zu vegetativen Störungen und vor allem zu einem veränderten Feedback an Hypothalamus und Hypophyse, die den Hormonhaushalt und damit auch die Wechseljahre zentral regulieren.

Das tiefere Verständnis aller individuellen Aspekte bei Wechseljahresbeschwerden führt in der Mesologie zu einer persönlich zugeschnittenen Behandlung, sodass Patientinnen wieder beschwerdefrei und auch im Alter glücklich sein können. Für jeden Moment gibt es das richtige Gleichgewicht. Die Kunst ist es, dieses auf individuelle Weise zu finden.

Rob Muts
Rob Muts D.M./D.O.

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Mesologie

Seit mehr als 20 Jahren ist die Mesologie in den Niederlanden mit ihren nachhaltigen Behandlungserfolgen, insbesondere bei chronischen Erkrankungen, auch in Fachkreisen anerkannt. Hier wird der kranke Mensch nicht nur ganzheitlich mit seinen individuellen Problemen betrachtet; charakteristisch für diese neue Form der Heilkunde ist vor allem die einmalige Kombination heilkundigen Wissens aus verschiedenen östlichen Traditionen wie Ayurveda und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit wissenschaftlichen Kenntnissen aus Anatomie, (Patho-) Physiologie und Neurologie. In der Praxis arbeiten Mesologen mit Homöopathen, Osteopathen und Ärzten eng zusammen und tragen zur Kooperation zwischen Fachrichtungen sowie zur komplementären Erweiterung dieser Therapierichtungen bei.

Die Besonderheit in der Diagnostik liegt darin, bei der Suche nach den Ursachen hinter den Symptomen möglichst alle Dimensionen der Patientinnen durch „mehrere Brillen“ zu untersuchen, d.h. sowohl physiologisch als auch emotional und energetisch. Die Untersuchungen basieren auf vier Methoden:

  • der Anamnese
  • der körperlichen Diagnostik (innere Organe und Bewegungsapparat)
  • der Elektro-Physiologischen Diagnostik (EPD), bei der ca. 100 Akupunkturpunkte1 gemessen werden, die in direkter Beziehung zu den inneren Organen stehen und bei einer Dysfunktion veränderte Messwerte anzeigen2
  • der Puls- sowie Zungendiagnostik (TCM und Ayurveda)

Zugleich werden weitere Forschungsergebnisse in die Analyse mit einbezogen.

Die Befunde dieser Untersuchungen zeigen ein vollständiges Bild der aktuellen Funktionsweise und der Dysfunktionen des Organismus. Die anschließende Integration aller relevanten Daten ist auf den logischen Zusammenhang von Dysfunktionen sowie auf die Logik aller Symptome gerichtet.

1 Heine, H.: “Anatomical structure of acupoints”, in: Journal of traditional Chinese medicine (Chung i tsa chih ying wen pan), Academy of Traditional Chinese Medicine, 1988/8(3), S. 207 – 12

2 Die EPD ist eine verbesserte Form der EAV (Elektroakupunktur nach Voll). Bereits neun Universitäten haben die diagnostischen Möglichkeiten dieser Methode nachgewiesen; vgl. Weber, Bernhard. A.: 40 Jahre Elektroakupunktur nach Voll – EAV, in: Ärzte Zeitschrift für Naturheilverfahren, 1, 1997, 38 (I), S. 3 – 17.; Houdijk, Nicoline/Schmidt, Marleen: Elektro Fysiologische Diagnostiek. Is de meetmethode reproduceerbaar? Een statistische analyse (Diplomarbeit, unv. Manuskr.), Amsterdam 2004